Entotsu | Spiel

Im Entotsu-Projekt gibt es vier „Spielfiguren“, mit denen die sieben Episoden (Ansichten) in Szene gesetzt werden. Nicht jede Figur taucht in jeder Episode auf. Durch die Kontinuität der Figuren und ein Geflecht wiederkehrender Themen hängen die Episoden inhaltlich zusammen. Die Spielerinnen und Spieler:

Frau (Steffi Bittner)

Clown 1 (Max Geiger)

Clown 2 (Sarah Herr)

Clown 2 (Sarah Herr)

N. (Peter Gutsche)

Entotsu | Die sieben Ansichten im Stadtbild

Der Kôsô Entotsu ist von Orten in Heidelberg aus sichtbar: nah und groß, wenn man aus dem Hauptbahnhof tritt, klein und leicht zu übersehen, wenn man ihn zum Beispiel von der Aussichtsplattform des Heidelberger Schlosses aus im Ortsbild sucht. Die sieben Ansichten des Entotsu-Projekts verteilen sich wie hier skizziert:

Position des Kôsô Entotsu im Stadtplan (gelb) und die Orte der sieben Ansichten (blau)

Einige der Ansichten sind „dynamisch“ konzipiert, können variierende Blicke auf den Schornstein enthalten. So etwa bei der Episode „Neckarwiese“, die mit Ansichten über eine Flusslänge von ca. 500 m arbeitet. Daneben gibt es in jeder Episode assoziatives und begleitendes Material von anderen Orten, aus anderen Zeiten …

Entotsu | Das Video-Konzept entsteht

2018 fand ich zu einem Konzept, das alle verworfenen Zugänge in sich vereinigte. Es sollte eine visuelle Komponente haben wie der Foto-Ansatz, gleichzeitig sollten aber die Bildinhalte gestaltbar sein, und auch Text und Musik sollten eine wichtige Rolle spielen: Das Video-Projekt war geboren.

Der Kôsô Entotsu vom Heidelberger Schloss aus gesehen. Foto: P. Bösselmann

Der Kôsô Entotsu, vom Heidelberger Schloss aus gesehen

Jetzt passte alles zusammen. Aus den statischen Ansichten des Fotokonzepts sollten Kurzfilme werden, dich sich jeweils auf eine Hauptansicht des Schornsteins beziehen, sich an den ausgewählten Orten aber frei bewegen und auch „ortsfremdes“ Videomaterial einbeziehen können. Aus den „Szenen des Alltags“ wurden surreale Spielszenen, die sich in der Alltäglichkeit der gewählten Orte ereignen. Dies alles als Stummfilm mit Off-Texten und Musik-Begleitung. Die Anzahl der „Ansichten“ (oder „Episoden“) wurde für dieses dynamische Konzept von 36 auf sieben reduziert. Der passende Titel war schnell gefunden:

Sieben Ansichten des Kôsô Entotsu
Ein Heidelberg/Hokusai-Projekt

Aus dem Heidelberger Fuji-Pendant wurde der „Kôsô Entotsu“, was im Japanischen so viel bedeutet wie „hoch aufragender Schornstein“.

entotsu_japanisch_web

Entotsu | Neue Ansätze

2017 beschloss ich, einen neuen Anlauf zur Realisierung des Hokusai-Projekts zu unternehmen. Zunächst wollte ich eine Art Graphic Novel entwickeln, bei der ich die „Szenen des Alltags“ im Vordergrund der Schornstein-Ansichten in allen Details selbst hätte bestimmen können. Doch die Entwicklung einer Graphic Novel hätte mich wohl ein oder zwei Jahre fast vollständig gebunden und keinen Raum mehr für andere Projekte gelassen. So wurde aus dem Comic- ein Text-Projekt: nicht zeichnen sondern schreiben. Das mutierte zu einem Text-/Musik-Konzept, also eine Art Song-Sammlung zu den Schornstein-Ansichten. Doch alles blieb Plan.

Entotsu | Heidelberg und Hokusai

Schon vor Jahren entstand die Idee, in Heidelberg ein Foto-Projekt zu realisieren, das einen ähnlichen Ansatz verfolgen sollte wie Hokusai mit seiner Holzschnitt-Serie. Mein „Fuji“ sollte der Kraftwerks-Schornstein sein, der in der Nähe des Heidelberger Hauptbahnhofs steht.
Charakteristisch bemalt und von vielen Stellen innerhalb Heidelbergs sichtbar.:

Der Kraftwerk-Schornstein, vom Heidelberger Bahnhof aus gesehen

Der Kraftwerk-Schornstein, vom Heidelberger Bahnhof aus gesehen

Die Aufgabe war: 36 Orte in Heidelberg finden, von denen aus der Schornstein in interessanten Kompositionen zu sehen ist. An diesen Orten „Bilder der fließenden Welt“ Heidelbergs fotografisch festhalten. Jedoch: Nach Monaten immer neuer Expeditionen zu den fotografischen Orten war es mir lediglich gelungen, ein im Sinne der Aufgabe gültiges Bild zu machen:

Erste Versuche im Schornstein-Projekt, 2015. Foto: P. Bösselmann

Ein gültiger Versuch im Foto-Konzept, 2015

Ich hätte Monate, wenn nicht Jahre Stunde um Stunde an den ausgewählten Orten (der Schornstein im Hintergrund) auf der Lauer liegen müssen, um genau den Moment im Foto festzuhalten, in dem sich vorn eine wohlkomponierte, interessante Szene aus dem alltäglichen Leben abspielt. Irgendwann gab ich es auf und stufte das Vorhaben vom Projekt- auf den Idee-Status zurück.

Entotsu | Enstehung

Der Ursprung des Projekts liegt viele Jahre zurück. 2007 lernte ich die „36 Ansichten des Berges Fuji“ von Katsushika Hokusai kennen. Die Serie von Farbholzschnitten hat Hokusai in den 1830er Jahren veröffentlicht. Viele kennen wahrscheinlich das berühmteste Motiv der Serie, „Die große Welle vor Kanagawa“:

Katsushika Hokusai: Die große Welle von Kanagawa, Holzschnitt, 1830

Hokusai: Die große Welle vor Kanagawa, Holzschnitt, 1830 (Wikipedia, gemeinfrei)

In den meisten Bildern der Fuji-Serie von Hokusai geht es nicht so dramatisch zu wie bei der „Welle“. Oft findet im Vordergrund eine Szene aus dem alltäglichen Leben statt, und der Fuji ist in den Hintergrund hineinkomponiert. Sämtlich gehören sie zum Genre der „Bilder aus der fließenden Welt“, japanisch Ukiyo-e, das im Japan der Edo-Zeit (17. und 18. Jahrhundert) eine wichtige Kunstströmung war. „e“ steht für Bild; der Begriff „ukiyo“ (irdische, vergängliche Welt) erfuhr in dieser Zeit einen Bedeutungswandel: Stand er ursprünglich für eine eher pessimistische, besinnliche Grundhaltung, wurde daraus in das 18. Jahrhundert hinein ein Bild von Diesseitigkeit und Genießen des Lebens. Historisch betrachtet umfasst der Begriff „ukiyo“ also eine große Spannbreite der Möglichkeiten, die Welt zu betrachten und sich in ihr zu verhalten.

Hokusai: Der Suwa-See, Holzschnitt, 1830 (Wikipedia, gemeinfrei)

Hokusai: Der Suwa-See, Holzschnitt, 1830 (Wikipedia, gemeinfrei)

Entotsu | Neues Heidelberg-Video

Das neue Video-Projekt „Sieben Ansichten des Koso Entotsu“ ist im Entstehen – es soll von diesem Blog begleitet werden. Mindestens zweimal im Monat, hoffentlich häufiger soll hier vom Fortschreiten des Projekts berichtet werden, wird es kleine Artikel zu Dreharbeiten geben und werden Themen angesprochen, die im Rahmen des Projekts von Interesse sind.