Der lange Tag

Installation. Spielzeug-Figuren (h ≤ 10 cm), MDF, Durchschlagpapier.
Peter Bösselmann 2012

 

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Die Idee zu der Installation „Der lange Tag“ entstand im Stau auf einer französischen Autobahn. Ein Jahr lang sammelte ich für das Projekt kleine und kleinste Spielzeugfiguren, zum größten Teil Massenware, wie man sie noch in den sechziger Jahren in den „Wundertüten“ fand oder heutzutage in den sogenannten „Überraschungseiern“ findet. Insgesamt kamen ca. 500 dieser Figuren zusammen, von denen ca. 400 für die Installation verwendet wurden.

 

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Nach dem Verwerfen verschiedener Konzepte, die z.B. den Aufbau einer langen Figurenschlange auf dem Fußboden des Ateliers im Klausenpfad vorsahen, wurde schließlich entschieden, einen langen, schmalen Sockel zu bauen, der mittig im Atelierraum stehen sollte und den Besuchern der Ausstellung die Möglichkeit bot, den Zug der Figuren von allen Seiten aus nächster Nähe zu betrachten.

 

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Interviews

Der zweite Bestandteil des Ausstellungskonzepts sind die sogenannten „Interviews“: kurze Texte, mit Schreibmaschine auf dünnes Durchschlagpapier geschrieben. Während der Ausstellung von „Der lange Tag“ im Klausenpfad wurden diese Interviews dicht an dicht an drei Raumwänden präsentiert. Die federleichten Papiere waren so befestigt, dass sich sich beim geringsten Luftzug anhoben – etwa beim nahen Vorbeigehen eines Ausstellungsbesuchers.

 

Hängung der "Interviews", dreiseitig um den Sockel herum

Hängung der „Interviews“, dreiseitig um den Sockel herum

 

Wenn du den Pfeil abgeschossen hast, ist vielleicht auch der Bogen verschwunden. Na und? Der Pfeil fliegt, du schaust ihm nach.

Wenn ich groß bin, werde ich Astronaut. Aber ich habe Angst, dass ein Meteor ein Loch in meinen Raumanzug macht.

Hierhin, dorthin – ist egal. Immer geradeaus. Immer die Richtung. Alles hell, alles froh. Schmerzen vergessen.

In den „Interviews“ erzählen einzelne Figuren von sich. Die Bezeichnung „Interview“ für diese Kurzmonologe ist insofern irreführend, als den Figuren keine Frage gestellt wurde, auf die sie antworten. Ich stellte eine Figur vor mich hin, schaute sie an – bis sich in mir ein Text formte, der vom Anblick der Figur ausging.

Hey, Mann! Bin guter Kerl. Immer voran. Wird schon. Gute Aussichten. Klar, Mann.

Scharmant, scharmant. Ham’s keine Angst, ich lüpf auch das Röckchen. Sehn’s? Schaun’s da unten hin, nicht auf meinen Kopf, bitteschön! Wozu braucht’s ahn G’sicht, wenn man’s ahn so schönen Rock hat, bitteschön?

Wir schießen sehr genau. Wenn ich die Hand hebe, kommt ein Schuss, und die Hand ist futsch. Das kann passieren.

In der Ausstellung waren die Interview-Texte nicht bestimmten Figuren zugeordnet. Als ein vielstimmiges, diffuses Raunen umgaben sie den stummen Zug der Figuren auf dem weißen Sockel in der Mitte des Raumes.

Vernissage-Musik

Die von Peter Bösselmann eingerichtete Musik zur Vernissage enthielt auch einen Song in Art eines Kinderliedes, der vom Zug der Figuren inspiriert worden war:

Little Wings

Little, little wings and a yellow cap,
Transparent body and a face with a smile,
One ore two legs and a rowing boat:
Yes, there is plenty to compile.
(Whistling)
Yes, there is plenty to compile.

Ratty, catty look, and a woeful pose,
distinguished garment, and a bit infantile,
beast or human, and a rowing boat,
yes, there is plenty to compile.
Beast or human, and a rowing boat,
yes, there is plenty to compile.
(Whistling)
Yes, there is plenty to compile.

Body only half, and a bluish bear,
a stoic bowman, and a girl in the pile,
dead or living in the atmosphere,
yes, there is plenty to compile.
Dead or living in the atmosphere,
yes, there is plenty to compile.
(Whistling)
Yes, there is plenty to compile.

Rough, remelted skin, and a plastic heart,
a tiny shotgun every once in a while,
all together, and to tease apart,
yes, there is plenty to compile.
All together, and to tease apart,
yes, there is plenty to compile.
(Whistling)
Yes, there is plenty to compile.

Erstausstellung: Atelier im Klausenpfad, Heidelberg 2012
Musik zur Vernissage: Karin Schmur (voc), Al Zanabili (Schlagzeug), Peter Bösselmann (Keyboards, voc)

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